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Am Anfang war...

Wie aus einer ersten Idee ein Bildungsweg, die eigene Imkerei und eine Leidenschaft entstand.

Michelangelo war kein Imker, und auch ich hatte ursprünglich nichts mit Landwirtschaft zu tun, sondern begann meinen Weg als Tischler, Architekt und 3D-Computergrafiker. Durch den Wunsch, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und etwas Greifbares zu schaffen, entdeckte ich die Leidenschaft für die Imkerei, absolvierte eine Ausbildung und fand einen erfahrenen Imkermeister als Mentor. Heute betreue ich sechs Bienenvölker in der Steiermark und baue meine Imkerei "Süßhobel" weiter aus.

Tja. Kunsthistorikern rollen sich beim Anblick des Titelbildes dieses ersten Blogbeitrags wohl die Zehennägel auf. Man verzeihe mir die Anmaßung, Michelangelo´s "Erschaffung Adams" kreativ und ganz im Sinne des Themas des Süßhobel Blogs neu zu interpretieren (Danke an dieser Stelle an Dall-E). Michelangelo war ja Vieles: Künstler, Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter. Imker war er, soweit wir heute wissen, jedoch nicht.

Ich war das zu Beginn unserer gemeinsamen Reise auch nicht. Ganz im Gegenteil. Mit Landwirtschaft und Tierhaltung (von unserem Stubentiger mal abgesehen) hatte ich den größten Teil meines Lebens nichts zu tun. Weder meine Eltern noch sonst jemand in der näheren Verwandtschaft ist Bauer oder Bäuerin und lebt auf einem Bauernhof. Die Urproduktion landwirtschaftlicher Produkte spielte bei der Wahl meiner Ausbildung also nicht wirklich eine ernstzunehmende Rolle. Nach dem Abschluss der HTBLA Hallstatt im Zweig Möbelbau und Innenausbau verschlug es mich erst mal in einen Kindergarten, wo ich im Rahmen meines Zivildienstes und anschließendem freiwilligen sozialen Jahr hörgeschädigte Kinder betreuen durfte. Eine sehr schöne, aber auch durchaus fordernde Aufgabe. Danach ging es dann von meiner Geburtsstadt Linz in die "große Welt", um an der Technischen Universität Wien Architektur zu studieren. Die einzige und zugegebenermaßen mikroskopisch kleine Gemeinsamkeit mit Michelangelo, denn als Architekt habe ich dann nie gearbeitet, sondern mich auf 3D Computergrafik  spezialisiert. Die gemeinsam mit einem lieben Schulfreund aus den Tagen in Hallstatt gegründete Firma griff dieses Thema auf und entwickelte sich in die Richtung "spielerische Wissensvermittlung". Unsere Idee war grob gesagt, das Wissen um die Gestaltung und Programmierung virtueller Welten für Computerspiele zu nutzen, in denen Kinder neues Entdecken können, dabei etwas lernen und Spaß haben. Rückblickend war es ein echter Glücksfall, dass ich meine Leidenschaft für Computerspiele und meine Neugier, immer wieder Neues zu lernen zu einem Beruf verbinden konnte, den ich auch heute noch gerne ausübe.

Und so führte mich mein Lebensweg schließlich auch zu den Bienen. Aus der ersten Idee 

Ich möchte gerne weniger vor dem Computer und in virtuellen Welten verbringen, sondern mehr in der Natur sein und mit meinen Händen etwas herstellen, das man am Ende des Tages auch wirklich angreifen (oder essen 😋) kann.

wurde zuerst ein Grundkurs an der Imkerschule Wien und schließlich eine mit Auszeichnung abgeschlossene Ausbildung zum Facharbeiter der Bienenwirtschaft. Meisterkurs und Wanderlehrer-Ausbildung stehen noch auf der Wunschliste.

Durch eine glückliche Fügung und einen lieben Sitznachbarn im Co-Working Space in dem ich die Corona Zeit während der unser Büro geschlossen bleiben musste ausgesessen habe, wurde ich an einen erfahrenen Imkermeister in der Nähe von Wien vermittelt, der sich nach einem ersten Probetag auch tatsächlich bereiterklärt hat, mich als Schüler aufzunehmen und mein Imkerpate zu werden. Fortan durfte ich also in vielen lehrreichen und launigen Arbeitseinsätzen bei allen Arbeitsschritten dabei sein. Die praktische Erfahrung, die ich dabei sammeln durfte kann keine Schule vermitteln. Ich erinnere mich noch gut an das erste Öffnen der Bienenbeute eines "echten" Ertragsvolkes" zur Hochzeit der Bienensaison im Frühsommer und den Respekt, den ich angesichts von 30.000 Bienen empfand. Die waren aber ganz lieb und friedlich und haben mich nur groß aus den Wabengassen heraus angesehen. 

Mein erstes eigenes Bienenvolk habe ich schon im Rahmes des Grundkurses auf dem Vereinsbienenstand am stillgelegten Friedhof in St. Marx betreut. Dieser denkmalgeschützte ehemalige Biedermeierfriedhof wurde von 1784 bis 1874 als Begräbnisstätte verwendet. Heute dient der St.Marxer Friedhof der Erholung und Kultur für Menschen - und eben auch als Heimat für einige wenige Bienenvölker, die von eifrigen Imker-Schüler:innen betreut werden.

Die Imkerei Süßhobel entsteht gerade in Stein - einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Bad Loipersdorf und Fürstenfeld in der schönen Steiermark. Dort stehen auf einer recht abgeschieden gelegenen Wiese meine aktuell 6 Bienenvölker.

Seit 2023 darf ich hier einen aromatisch milden Honig ernten, der die nahegelegene Himbeerhecke erschmecken lässt. Derzeit ist die Produktion noch zu gering, um damit auf Märkte zu gehen oder einen großen Onlineverkauf aufzuziehen. Das wird sich hoffentlich bald ändern, denn die 150 Gläser, die es in der Saison 2024 zu vergeben gab, waren schon zu Weihnachten restlos ausverkauft.

Ich freue mich drauf, euch bald mehr über meine kleine Imkerei erzählen zu können. Der nächste Beitrag wird sich dem Aufbau des Betriebsgebäudes widmen. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

Am Anfang war...
Jochen Kranzer 3. Januar 2025
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